08.06.2012 — 20:10 Uhr
Von A. DRAXLER und W. M. STRATEN
Teil 2 des Interviews DFB-Präsident Wolfang Niersbach (61)
BILD: Sind Sie stolz, dass wir einen starken Multi-Kulti-Anteil in unserer Nationalelf haben?
Niersbach: „Stolz ist das falsche Wort. Ich finde es toll, wie selbstverständlich es bei uns funktioniert. Als Erwin Kostedde 1974 der erste farbige DFB-Nationalspieler wurde, war es noch ein großes Thema. Bei uns spricht keiner über Herkunft und Hautfarbe. Für mich ist die beste Integration die, über die man nicht redet.“
BILD: Dauer-Aufreger Nationalhymne: Viele Fans fordern, dass die Spieler mitsingen. Gibt es von Ihnen einen Befehl?
Niersbach: „Singt Ihr auf der Pressetribüne? Auch nicht alle Politiker und Ehrengäste machen mit. Natürlich wünsche ich mir, dass möglichst viele Spieler einstimmen. Aber es darf nie einen Zwang dazu geben. Jeder unten auf dem Platz muss für sich entscheiden, wie er die 90 Sekunden, die für mich persönlich ein sehr feierlicher Moment sind, für sich selbst nutzt. Eines ist klar: Auf keinen Fall darf Kaugummi gekaut werden.“
BILD: Bleibt Jogi Löw unabhängig vom Ausgang des Turniers?
Niersbach: „Ja.“
BILD: Selbst wenn wir alle Gruppenspiele verlieren?
Niersbach: „Ich bin viel zu optimistisch, um auf eine solch hypothetische Frage zu antworten. Und ich habe absolutes Vertrauen in die Arbeit unseres Bundestrainers, unabhängig von Ergebnissen.“
BILD: Wird die Torlinien-Technologie kommen, die gerade getestet wird?
Niersbach: „Am 2. Juli tagt das Regel-Board der Fifa in Kiew. Wir können uns als DFB die Einführung der Torlinien-Technologie durchaus vorstellen, damit in diesen Grenzfällen mehr Gerechtigkeit einzieht. Uefa-Präsident Michel Platini dagegen lehnt jede Technik ab. Man wird sehen, was kommt.“
BILD: 2016 findet die EM in Frankreich statt, für 2020 bewirbt sich der DFB mit Rücksicht auf die Türkei nicht. Wann sehen wir wieder ein großes Turnier in Deutschland?
Niersbach: „Nach jetzigem Stand gehen wir für 2020 nicht ins Rennen. Allerdings: Die Uefa denkt darüber nach, die EM neu auszuschreiben, falls Istanbul den Zuschlag für Olympia bekommt. Diese Entscheidung fällt im September 2013. EM und Olympia in einem Jahr wird es nicht geben. Für diesen Fall würden wir eventuell neu nachdenken. Aber lassen Sie uns jetzt erst mal auf die EM 2012 freuen.“




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